Stellungnahme zum Umgang mit Philippa Ebéné, Geschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstraße 32, 12049 Berlin und der Zukunft der WdK

by Maisha Auma

 

Stellungnahme zum Umgang mit Philippa Ebéné, Geschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstraße 32, 12049 Berlin und der Zukunft der WdK

  

Sehr geehrter Senator Dr. Lederer,

Sehr geehrter Staatssekretär Dr. Wöhlert,

Sehr geehrte kulturpolitische Sprecher*innen,

Sehr geehrte kulturadministrative Verantwortliche,

Sehr geehrte Vertreter*innen des Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen,

Lieber Migrationsrat,

Als Schwarzes queer*feministisches Kollektiv und kulturpolitisches Forum von und für Schwarze Frauen* möchten wir von ADEFRA e.V. unser Unverständnis darüber ausdrücken, in welcher Weise die Senatsverwaltung für Kultur und Europa mit der Werkstatt der Kulturen (WdK) und ihrer langjährigen Geschäftsführerin, Philippa Ebéné, umgeht. Dass eine international renommierte, gut funktionierende und von Schwarzen Communitys / Communitys of Color im In- und Ausland hoch geschätzte Einrichtung einfach abgewickelt wird, ist schwer verständlich. Dass dies außerdem während der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft (2015-2024) geschieht, ist mehr als unverantwortlich. Welches Signal soll mit dem nun neuen und nicht näher definierten »Kulturstandort Wissmannstraße« in diesem Zusammenhang gesetzt werden? Weshalb ist die Neukonzeption einer Einrichtung notwendig, die sich im Laufe der Jahre ein komplexes kulturpolitisches Profil erarbeitet hat? Und wer trifft vor welchem Hintergrund und mit welchem Interesse welche personalpolitischen Entscheidungen?

Fakt ist, dass es Philippa Ebéné und ihrem Team gelungen ist, in der WdK einen partizipatorischen Raum zu schaffen, der auf einem diskriminierungskritischen und zutiefst transkulturellen Verständnis von Begegnung, Kommunikation und Austausch basiert. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die WdK zu einem Kulturstandort, der seitdem stark von Schwarzen Menschen und Menschen of Color frequentiert worden ist. Anders als in den meisten anderen Kultureinrichtungen Berlins und Deutschlands hatten Schwarze Künstler*innen / Künstler*innen of Color sowie community-basierte kulturpolitische Vereine hier die Möglichkeit, Veranstaltungen zu konzipieren, in ihrem Sinne durchzuführen und ihre Perspektiven sowohl gesellschaftlich als auch kulturell verhandelbar zu machen. Darüber hinaus stellt die WdK einen wichtigen Ort dar, an dem community-übergreifende und transdiasporische (Selbst)-Repräsentationen erfahrbar gemacht worden sind und innovative Kulturkonzepte zum Tragen kamen. Die WdK ist somit kein einfacher oder gar beliebiger Kulturstandort, sondern wichtiger Bestandteil einer Infrastruktur, die vor allem durch die Kulturarbeit von Schwarzen Menschen / Menschen of Color unterstützt und aufrechterhalten worden ist.

Kulturarbeit ist immer auch Repräsentationspolitik. Kritische Repräsentationspolitiken wiederum stellen immer eine unabdingbare Voraussetzung dar, um strukturellen und systemischen Rassismus zu bekämpfen. Schwarze Berliner*innen und Berliner*innen of Color haben das Recht, sowohl in öffentlich geförderten Institutionen als auch in den Institutionen selbst angemessen repräsentiert zu sein. Davon kann bislang allerdings weder im Kulturbetrieb noch in anderen institutionellen oder akademischen Bereichen auch nur annähernd die Rede sein. Angesichts dessen ist es irritierend und mehr als besorgniserregend, dass in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum bereits zwei herausragende Schwarze, feministische Führungspersönlichkeiten in Berlin von der Politik ›kaltgestellt‹ wurden. Dass es sich in beiden Fällen um etablierte und in ihren jeweiligen Bereichen anerkannte Schwarze Frauen* handelt, die über enge Verbindungen zu Schwarzen Communitys verfügen und diese Verbindungen für ihre Arbeit nutzbar gemacht haben, ist besonders auffallend.

Für uns zeigt sich an dieser Stelle, dass der Berliner Senat eine Politik des Teile und Herrsche verfolgt. Dass in Bereichen, in denen machtkritische Verhandlungen geführt werden, Schwarze feministische Persönlichkeiten oder Persönlichkeiten of Color nicht einfach durch Weiße ersetzt werden können, ist als politische Strategie inzwischen offensichtlich ›angekommen‹. Dies bedeutet – leider ebenso offensichtlich – aber nicht, dass Zukunftspläne für die Einrichtung oder Überlegungen für eine personelle wie konzeptionelle Neubesetzung transparent gemacht oder gar öffentlich diskutiert werden. Vor diesem Hintergrund die Leitung einfach einer anderen Schwarzen Person / Person of Color bzw. einem neuen wirtschaftlichen Kollektiv zu übertragen, unterstreicht die Austauschbarkeit und Token-Funktion von BPoCs in Führungspositionen und gilt als ›rassistischer Klassiker‹.  Zudem verlassen nun Tmnit Zere, Nathalie Mba Bikoro und Saskia Köbschall das neu installierte Projekt 'Kultur NeuDenken UG'. Sie steigen somit faktisch sowohl aus dem Betrieb des Kulturstandorts Wissmannstraße, als auch aus der öffentlich beworbenen queer-feministischen dekolonialen Konzeption aus. Das sehen wir als ein klares Scheitern dieses vonseiten des Senats forcierten Konzepts.

Wir möchten uns den zahlreichen Überlegungen und Forderungen anderer Organisationen, wie dem Migrationsrat, dem Korea-Verband und ..., anschließen und fordern die Politik und die Senatsverwaltung auf, angesichts der neuen Entwicklungen rund um den »Kulturstandort Wissmannstraße« umgehend eine, die Communities einbindende, Strategie zur nachhaltigen Wiedereinrichtung der WdK vorzulegen und den Abbau der WdK zu stoppen. 

Die WdK hat funktioniert! Ihre wichtige und gute Arbeit in nachhaltige und auch wirtschaftliche Strukturen zu geleiten, ist Aufgabe des Berliner Senats. Dies beinhaltet die Klärung einer Strukturförderung, Intendanz und weiterer dazugehörige Gremien. 

Berlin, 8. Februar 2020

 

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